Autorin Barbara-Herrmann 







Der Obstbauer vom Bodensee 

Heimatgeschichte - Romanheft


Er hatte sein Dorf und Esther verlassen, bis….

Romanheft von (Barbara Herrmann)


Exposé

Gerhard Glotz, der größte Obstbauer im Bühlertal ist ein harter und sturer  Mann. Vor einigen Jahren stritt sich sein Sohn Erich mit ihm, er verlangte die Modernisierung der Schnapsbrennerei und die Anpassung des Obstanbaus an die Marktrichtlinien, weil er die Zeichen der Zeit erkannt hatte. Vehement wehrte sich aber der Vater in seiner Sturheit gegen seinen Sohn, und deshalb hat dieser nach einer Auseinandersetzung von einem Tag zum anderen das Gut verlassen. Seine Frau Frieda, seine Arbeiter und seinen jüngsten Sohn treibt Gerhard rücksichtslos zur Arbeit an und der junge Klaus ist nach dem Weggang seines Bruders am Schlimmsten betroffen. Ihm liegt die Arbeit auf dem Obstgut nicht, er würde lieber auf eine Musikschule gehen um sein Klavierspiel zu vervollständigen, findet aber nicht die Kraft die Heimat zu verlassen.

Aufgrund dessen, dass Gerhard im Stile seiner Vorfahren weitermachte und jede Erneuerung ablehnte, füllten sich seine Keller unaufhörlich mit Schnaps und Saft. Seine Verkäufe dagegen tendierten gegen Null und die Bank verweigert ihm einen Kredit.

An einem Nachmittag während der Kirschernte erleidet seine Frau Frieda einen schweren Schlaganfall. Gerhard, der keinerlei Verständnis für Krankheiten aufbringen kann, wendet sich von ihr ab und lässt sie in ihrer Not alleine. Schlimmer noch, er wirft seinen jüngsten Sohn aus dem Haus. Das Gerede im Dorfgasthof, am Stammtisch, beginnt.

Klaus findet mit der Hilfe des Bürgermeisters eine kleine Wohnung in der Stadt. Der Zufall wollte, dass sein Vermieter Friedrich Kuhn, ein ehemaliger Musiklehrer und Dirigent war. Dieser verschafft ihm außerdem eine Arbeit im Konzerthaus, und bietet ihm den geliebten Musikunterricht an. Dennoch bleibt ihm genügend Zeit für die schwer kranke Mutter, die ohne sprechen zu können, mit Lähmungserscheinungen, teilnahmslos in der Klinik liegt. Als die Ärzte davon ausgehen, dass die Mutter ein schwerer Pflegefall werden könnte, versucht Klaus seinen Bruder Erich ausfindig zu machen, was ihm aber nicht gelingt.

Dieser war vor Jahren mit dem erst besten Zug nach Konstanz gefahren, in der Hoffnung bei einem Bauern, der Bodenseeobst anbaut, eine Arbeit zu finden. Der erste Hof am Weg brachte ihm Glück. Bauer Händel, der keine eigenen Kinder hatte, stellte ihn ein und übergab ihm Jahre später sein großes Gut. Er förderte ihn wie einen eigenen Sohn und machte ihn zu einem reichen Mann. Eines Nachts wird Erich von einem Albtraum heimgesucht, in dem seine Mutter nach ihm ruft und ihn um Hilfe bittet. Auf Anraten von Bauer Händel nimmt er daraufhin Kontakt mit dem Bürgermeister im Bühlertal auf. Der berichtet ihm, dass das Gut kurz vor dem Ruin stünde, seine Mutter schwer krank sei. Schnell klärte er mit seiner Bank, dass das elterliche Erbe nicht unter den Hammer und in fremde Hände kommt. Danach trifft er sich mit seinem Bruder und besucht seine Mutter, der es inzwischen etwas besser geht. Er kümmert sich um sie und unterstützt seinen Bruder Klaus, der mittlerweile die Erfolgsleiter hochkletterte und  Konzerte gab.

Durch den Kontakt mit der Vergangenheit blüht seine ehemals große Liebe zu der schönen Esther wieder auf, die er durch seinen überstürzten Weggang aus den Augen verloren hatte.

Gerhard, der sein Gut und sich selbst inzwischen sehr vernachlässigt, stellt Esther als Magd ein. Die sorgt dafür, dass das Haus vernünftig geführt wird. Sie bewohnt das alte Zimmer von Erich, den sie immer noch liebt und vermisst. Gerhard fährt im Herbst einige Wochen durch das Land, um seinen Schnaps zu verkaufen. Natürlich kommt er ohne Verkauferfolge zurück und verfällt völlig dem Alkohol. Im Frühjahr bekommt er die Nachricht, dass sein Gut versteigert wird. Eines Nachts hatte er völlig betrunken die schöne Esther in ihrem Bett angegriffen, wobei die sich aber erfolgreich wehrte. Etwas später muss er sie aus Geldnot entlassen. In letzter Panik setzt er sich betrunken ins Auto um einen Einkäufer aufzusuchen. Auf der Schwarzwaldhochstraße verunglückte er an diesem Tag tödlich.

Erich kommt zurück, strukturierte den Hof neu und .........



Leseprobe

„Klaus! Zum Kuckuck nochmal, wo steckst du?“ tönte es energisch, laut und wütend durch das Haus. Der junge Mann hielt sich die Ohren zu, weil die Stimme des Vaters unerbittlich klang. „Mmmm, … was ist, … denn nun schon wieder,“ flüsterte Klaus mit einem Seufzer, der ihm laut über die Lippen kam. Müde erhob er sich und ging mit schleppenden Schritten die Treppe nach unten, er musste antworten und hören was der Vater von ihm wollte um einem größeren Streit aus dem Wege zu gehen. Er wollte nur eine Pause einlegen, weil er den ganzen Vormittag hart gearbeitet hatte und sowieso gleich das Mittagessen anstand. 

„Ich bin doch da, was willst du von mir?“ fragte er ängstlich.

Sein Vater, der mächtige Obstbauer Gerhard Klotz, war ein böser, verbitterter Mann, der seine Familie und seine Landarbeiter mit harter Hand führte. Alle zuckten zusammen wenn er rief, seine laute, grollende Stimme plötzlich lospolterte. Breitbeinig, die Hände in die Hüften gestemmt, stand er im Hof und wartete auf seinen Sohn, der langsam auf ihn zuging. „Hast du schon wieder in deinem Zimmer gehockt und mit dem Taktstock gespielt?“ Er erwartete keine Antwort von Klaus, er wusste auch so, dass er Recht hatte und fuhr fort:

„Du bist und bleibst ein Waschlappen und begreifst nicht, dass harte Arbeit zum täglichen Leben gehört!“

Klaus zuckte unter der Anschuldigung des Vaters zusammen und senkte verschämt den Blick.

„Scher dich in die Obstpresse, dort wird jede Hand gebraucht!“ schrie Gerhard. Mit blitzenden Augen und seinem ausgestrecktem Arm zeigte er die Richtung an, die Klaus ohne Widerrede einzuschlagen hatte. „Mach schon, … setzt endlich deine Beine in Bewegung und tu was!“

Klaus zog die Schultern zwischen den Kopf und machte sich behäbig auf den Weg, er wusste, dass es sinnlos war dem Vater zu widersprechen. In der Obstpresse stellte er sich traurig neben die anderen Arbeiter, um zu helfen. Sie nahmen Saftflaschen vom Band und stellten sie in Kisten, die anschließend in den Keller gefahren wurden. Während er sich der monotonen Arbeit hingab, dachte er an das Musikstück, an dem er gerade arbeitete. Seit Jahren träumte er davon, irgendwann eine Musikschule besuchen zu können, denn er war trotz aller Bemühungen mit sich selbst unzufrieden.

Gerhard Klotz betrat in der Zwischenzeit die Küche, seine Frau Frieda war damit beschäftigt, das Mittagessen zu kochen. Der Schweiß lief ihr über die Stirn, weil die großen, sprudelnden Töpfe und der riesige alte Holzherd eine ungeheure Hitze ausstrahlten. Sie hatte schon oft diesen Zustand verflucht und trotzdem war Ihr Mann nicht zu bewegen einen modernen Herd zu kaufen. Im Sommer, wenn draußen die Sonne vom Himmel brannte und das Obst geerntet werden musste, hatten sie bis zu dreißig Helfer am Tisch sitzen. Diese extrem belastende Situation verlangte ihr alle Energie ab und brachte sie täglich an den Rand ihrer körperlichen Kräfte. Es war eine einzige Plage.

Frieda strich sich mit der Hand über die Stirn, um die Tropfen wegzuwischen, ihr faltiges Gesicht war krebsrot und die grauen Haare klebten an ihrem Kopf. Ihre stattlich ausladende Figur ließ sie hart atmen und sie sah an solchen Tagen abgearbeitet und mindestens zehn Jahre älter aus. „Warum schreist du bloß schon wieder auf dem Hof rum?“ fragte sie und würdigte ihn keines Blickes, dabei rührte sie ohne Unterbrechung weiter in ihren Töpfen. „Kannst du keinen normalen Ton anschlagen? Musst du so schreien?“

„Dein lieber Sohn hatte sich gemütlich in seinem Zimmer vergraben, während drüben in der Obstpresse die Arbeit auf ihn wartet“, polterte er. Er nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank und ließ sich auf die Eckbank fallen. „Er ist und bleibt eben ein verrückter Möchtegernmusiker, ein unmöglicher Träumer, ein Nichtsnutz. Es ist grässlich mit ihm!“

Sie antworte mit keiner Silbe. Ihr gefiel das auch nicht aber alles Schimpfen hatte keinen Sinn. Klaus war von Anfang an ein schmächtiges und zartes Kind, seine Finger waren lang und dünn und anscheinend nicht dazu gemacht, schwere, körperliche Arbeit zu verrichten. Er war inzwischen achtzehn Jahre alt, schlank, schmal, blass, mit blonden Haaren, die er wild um sich wachsen ließ. Seine Augen leuchteten stahlblau und seine Gesichtszüge waren so fein, wie die einer Frau. Frieda schüttelte den Kopf. Keiner aus ihrer Familie, alles Obstbauern, hatte was mit Musik am Hut, schon gar nichts mit Opern. Außerdem glich er niemand, nicht äußerlich und nicht im Charakter, was sie manchmal selbst verwunderte.

Ganz anders entwickelte sich da ihr Erstgeborener, der Erich. Er war ein Rabauke und hart im Nehmen. Schon als Kind war er jeden Tag mit dem Vater auf den Plantagen, fuhr mit acht Jahren den Traktor und ging lieber auf die Felder, anstatt Fußball zu spielen. Bis er vor vier Jahren, als zweiundzwanzigjähriger junger Mann nach einem Streit mit dem Vater, den Hof verließ, was ein Schock für Frieda war. Gut wär’s, wenn er wieder da wäre, dachte sie nun. Das würde vieles, vielleicht sogar alles ändern. Sie stöhnte innerlich.

„Du sagst ja gar nichts,“ brubbelte Gerhard, „dabei ist allein deine Erziehung schuld. Von Anfang an, hast du ihn verhätschelt und verwöhnt und keinen anständigen Mann aus ihm gemacht. Was soll aus dem Gut werden, wenn der nicht endlich das Arbeiten lernt?“ fragte er vorwurfsvoll seine Frau.   ............





Autorin Barbara Herrmann